03.02.21 – „…dass einer uns kennt“

Vor kurzem hielt ich eine – wie zur Zeit üblich im digitalen Format am heimischen Laptop – kleine Fortbildung für Kitas zum Thema Fasching und Fastenzeit. Irgendwann war die Zeit längst um, an den Bildschirmen mochte sich aber kaum einer verabschieden, denn wir waren hängengeblieben bei der Frage nach Sinn und Unsinn des Kostümierens, des In-andere-Rollen-schlüpfens und Sich-verstellens.

Warum tun wir das? Und ist es lustig und sinnvoll für kleine Kinder, oder eher beängstigend? Brauchen wir das, um uns unserer selbst ab und an zu vergewissern? Weil ich sehe, wer ich bin, wenn ich zur Schau stelle, wer ich nicht bin? Oder können wir nur unverkrampft und ausgelassen feiern und tanzen, wenn wir Masken tragen? Irgendwann waren wir angelangt bei der Frage nach dem ICH, nach dem, was einen Menschen aus- und unverwechselbar macht.

Ich begann langsam, nervös zu werden, die Zeit drängte und ich wollte mich eigentlich gern aus dem Meeting verabschieden. Ungeduldig tippte ich nebenbei (und digital unentdeckt) auf meinem Handy herum, als eine vormals geöffnete Internetseite aufploppte und mir den Monatsspruch für den Februar vor die Nase hielt: „Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind!“ Lk 10,20.
Irgendwie fühlte ich mich ertappt. Als würde Gott schmunzelnd auf uns herabschauen: Ihr diskutiert, was euch einmalig, unverwechselbar, unter Milliarden Menschen wiedererkennbar macht? Und ob das noch da ist, wenn Kinder sich in kleine Löwen, Ritter oder Einhörner verwandeln?
Ich las der Gruppe den Vers vor und erzählte ihnen, was ich gerade dachte. Wir mussten lachen.
„Schönes Bild“, sagte eine Teilnehmerin, die sich als nicht religiös bezeichnet, „und sehr beruhigend. Dass wir dort oben alle mit Namen aufgehoben sind. Und dass einer uns kennt.“

Johanna Stein

 

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