02.07.2021 – Leben und Weben

Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.“
(Apg 17,27)

Der Monatsspruch für den Juli gehört für mich zu den schönsten Blüten der Bibelübersetzung Martin Luthers. Besonders das Wort „weben“ fällt mir ins Auge: das altgriechische Wort kinoumetha könnte man – wie es andere Übersetzungen tun – einfach mit „bewegen wir uns“ übersetzen. Luther war das sicher klar, aber er hatte auch immer im Hinterkopf, dass seine Bibelübersetzung auch die vielen Menschen seiner Zeit erreichen sollte, die nicht lesen und schreiben konnten. Die Texte mussten sich zum Vorlesen und Zuhören eignen und sollten vor allem im Gedächtnis haften bleiben. Da kam ihm das Wort „weben“ gerade recht – auf einmal stimmen Rhythmus, Reim und Sprache des Verses wunderbar zusammen. Zudem ist es keine ganz unpassende Übersetzung: Das altdeutsche Wort weban bedeutet zunächst wohl einfach „hin und her bewegen“.

Photo by ALAN DE LA CRUZ on Unsplash

Außerdem wird das allgemeine Wort „bewegen“ durch die Übersetzung im besten Sinne handgreiflich. Zwar beschränken sich meine eigenen Erfahrungen mit der Weberei auf den kleinen Handwebrahmen aus Grundschulzeiten, wie ihn heute meine eigenen Kinder benutzen. Aber auch dort sieht man die ständige Bewegung: hin und her und auf und ab und es dauert seine Zeit, bis Fortschritte und Ergebnisse zu sehen sind. Luther dürfte sich so wie ich heute darüber gefreut haben, wie gut dieses Bild auf das Leben passt.

Und über alldem steht die große Zusage: Gott ist jedem von uns nicht fern, sondern ganz nah bei jeder der kleinen Bewegungen unseres Lebensfadens ebenso wie beim Blick auf das große bunte Tuch, dass daraus entstehen kann.

Ein gesegnetes Wochenende wünscht

Ihr Konstantin Enge

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