02.05.2021 – Wir dürfen singen

Welch wunderbare Fügung! Vor einiger Zeit schrieb ich hier an dieser Stelle über den Frühlingsanfang, über die Geburt meines ersten Kindes, über das Singen voller Lebenslust und Dankbarkeit – und nun darf ich für den Sonntag KANTATE, in diesem Jahr am 2. Mai, ein paar Zeilen niederschreiben. Für mich ist der 2. Mai ein ebensolcher Lobgesangs-Tag wie der im März beschriebene, denn vor 30 Jahren wurde an diesem Tag unser fünftes Kind geboren. Wieder kann ich von unbändigem Glück sprechen und wieder könnte ich vor Freude mit allen, die mir nahestehen, Jubelgesänge singen. Eben nur könnte, denn das Jubeln darf zur Zeit ja nur im Stillen geschehen, im eigenen Kämmerlein, möglichst allein.

Doch Dank Gottes wunderbarer Schöpfung, der herrlichen Natur, jubeln lautstark – vom ersten bis zum letzten Sonnenstrahl – unzählbar viele Vöglein gemeinsam im Chor. Wir hören sie wohl viel intensiver in diesem Jahr, viel bewusster. Der Frühling ist nun wirklich da, überall frisches Grün.

Und wir? Wir dürfen natürlich jubeln und jubilieren. Im Psalm 98 wird uns deutlich gesagt, dass das nicht nur mit dem Singen möglich ist. Auch mit „Harfen und mit Saitenspiel“, „mit Trompeten und Posaunen“ können wir rühmen und loben. Die Melodiebögen werden durch das „Brausen des Meeres und allem was darinnen ist“, durch „frohlockende Ströme“, durch „den Erdkreis und denen die darauf wohnen“ und durch „fröhliche Berge“ unterstützt und belebt. Wie wunderbar ist das. „Singet dem Herrn ein neues Lied“, nicht nur die alten, heißt es ja, „denn er tut Wunder“.

Gerade in dieser so sonderbaren Zeit, in der wir nicht mehr in Räumen gemeinsam Musik hören können, erleben wir solch ein Wunder, in wieder entdeckten und neuen Formen der „Straßenmusik“. Orchestermusiker, Posaunenchormitglieder, Instrumentalisten musizieren in den Straßen, auf den Plätzen, vor Altenheimen, Krankenhäusern, Kirchen, in den Höfen, auf den Balkonen; Orgelmusik dringt durchs geöffnete Fenster. Dankbar kann und muss man sein, dass so viele Menschen uns anderen damit Freude bereiten.

Paulus Stein hat es in seinem Lied zum Psalm 98 (EG 287) treffend formuliert: „Du kennst oftmals deinen Weg nicht, und du weißt nicht recht, was du sollst; doch da schickt dir Gott die Hilfe zu, den einen Menschen, der dich gut versteht.“

Baberina Müller

One thought on “02.05.2021 – Wir dürfen singen

  1. Was für eine schöne Wortmeldung! 20 Jahre zusammen singen … wieviel mehr wiegt das als 1 1/2 Jahre Corona ohne „richtige Chorprobe“… Mögen Sie noch viele weitere (verzweigte) gemeinsame Wege singend zurücklegen!

  2. Mir schickte Gott den einen Menschen, der mich versteht, vor über 20 Jahren in einer Chorprobe. Unser Weg war seither reich verzweigt, aber wir haben ihn singend zurückgelegt. Mal waren die Melodien melancholisch, mal beschwingt – aber wir haben sie immer gemeinsam gesungen.

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