01.04.2021 – In der Nacht, da er verraten ward ….

In der Nacht, da er verraten ward ….

Mit diesen Worten beginnt die Abendmahlsliturgie.

In der Nacht, da er verraten ward. An dem Abend, bevor der Weg durch unaussprechlichen Schmerz begann … An dem Abend, bevor er dennoch des Vaters Willen über den seinen setzte voll Vertrauen … An diesem letzten Abend in der vertrauten Gemeinschaft ….

Was geschah an diesem Abend? Die Überlieferung berichtet von einem Mahl, das voller Symbolik war und blieb bis in unsere Tage. Sie berichtet von den Fragen und Zweifeln der Jünger, von der Enttarnung eines Verräters, bevor der den Verrat beging, von einer Fußwaschung, die anderes abwaschen sollte als Straßenstaub.

Jesus tauchte noch einmal tief ein in diese Gemeinschaft. Er liebte sie und war Teil davon. Noch einmal zusammen essen, miteinander reden, gemeinsames Erleben. Wohlwissend, dass er das allerletzte Wegstück auf Erden allein würde gehen müssen.

In einer Kur lernte ich Christine kennen. Sie war gezeichnet von der langen, nicht zu besiegenden Krankheit, schmal und zerbrechlich im Äußeren. Sie war geprägt von einem unendlich tiefen, bodenständigen Gottvertrauen, von humorvoller Stärke und scheinbar unendlicher Energie.

Jede Mahlzeit mit ihr wurde zu einem Lebenselixier. Großzügig ließ sie alle teilhaben an ihrem Lachen, an ihrer Zuversicht, an ihrer Lebensliebe. Während wir anderen uns beim Rehasport mühsam Kräfte antrainieren, bestieg sie – den Brocken.

Uns blieb der Mund offen stehen, als sie uns davon berichtete.

Wir blieben in Kontakt. Sie blieb sich treu. Ging es ihr gut, wanderte sie, fuhr Ski, bewirtschaftet Haus und Hof. Ging es ihr schlecht, vertraute sie darauf, dass es besser werden würde.

Noch im Hospiz, wenige Tage vor ihrem Tod malte sie ein Bild – bunt und voller Leben!

An dem Abend, bevor der Weg durch unaussprechlichen Schmerz begann….

Am Abend, bevor sie dennoch des Vaters Willen über den ihren setzte …

Sie starb am Gründonnerstag 2020.

Auf dem Grabstein des Dichters und Diplomaten Amado Nervo stehen die von ihm verfassten Worte:

Ich habe geliebt, ich wurde geliebt,

die Sonne streichelte mein Gesicht.

Leben, du schuldest mir nichts!

Leben, wir sind in Frieden!“

Drei Wörter würde ich verändern und gerne auf ihren Grabstein schreiben:

Ich habe geliebt, ich wurde geliebt, die Sonne streichelte mein Gesicht.

Leben, ICH schulde DIR nichts! VATER, wir sind in Frieden!“

Claudia Krenzlin

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