01.03.21 – Es nützt nichts …

Von Martin Luther überliefert sind die Worte:
Wir kommen nie aus der Traurigkeit heraus, wenn wir uns ständig den Puls fühlen.

Die anhaltenden Kontaktbeschränkungen in der Pandemiezeit erinnern mich immer ein bisschen an den Verlauf meiner eigenen individuellen Krankheit. Pandemie und Krebs haben etwas gemeinsam: Das Warten.

Oft hatte ich das Gefühl, die lange Zeit von Diagnose bis Heilung verlangt mir in der Hauptsache eins ab: WARTEN. Auf die nächste Untersuchung, den nächsten Befund, die nächste Behandlung, die Chemo, die OP, wieder den Befund und immer so weiter. Das Hauptwort in unserer Familie wurde in dieser Zeit:

Nützt ja nichts.“  

So fatalistisch sich das anhören mag, so wahr ist es. Natürlich konnte ich einen Teil dazu tun. Mich informieren, gesund ernähren, mir Unterstützung suchen usw. Das ist absolut richtig und nötig. Das Tun.

Aber – eben auch das Lassen, was in diesem Falle mit einer gesunden Form des Annehmens einhergeht. Manches kann ich beeinflussen, aber nicht alles. Ich bin kein Arzt und ich bin nicht Gott. Das beschränkt meine Möglichkeiten, aber es beschenkt mich auch: ich kann etwas abgeben. Ich kann etwas geschehen lassen und im allerbesten Fall, ich kann etwas im Vertrauen geschehen lassen.

Diese Erfahrung hilft mir auch im Umgang mit der Pandemie. Es nützt nichts.Das heißt nicht, dass ich nichts tun kann, dass ich alles gut und richtig finde. Aber ich bin kein Virologe, kein Psychologe, kein Politiker und – keinesfalls Gott. Ich kann meinen Teil dazu tun, in dieser Zeit Gutes zu tun, mir und anderen. Manches kann ich beeinflussen, aber vieles nicht.

Ich kann alles anzweifeln und alle Zahlen aufrufen und vergleichen, ich kann ständig dagegen und unzufrieden sein  – aber ich kann es auch lassen und die vielen Möglichkeiten nutzen, die es TROTZDEM gibt – bis zur Heilung.

Ich halte es in diesem Punkt mit Luther: Wir kommen nie aus der Traurigkeit heraus, wenn wir uns ständig den Puls fühlen.

​​​Claudia Krenzlin

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